Rollenspiele betrachten
Im Kinosaal warten magische Momente auf den Besucher. Der Fotograf Jim Rakete erinnert an manches Filmerlebnis, wenn er Schauspieler porträtiert, die man aus deutschsprachigen Filmen kennt.
Als erfahrener Fotograf zwängt Rakete die Akteure nicht einfach in ihre Filmrolle. Vielmehr knüpft er an die Geschichten an, um ihnen weitere Wendungen zu entlocken. Mit Vergnügen sieht man die wunderbare Sophie Rois (zuletzt etwa in Tom Twykers “Drei”), wie sie spitzbübisch in die Kamera feixt. Moritz Bleibtreu beweist, wie man äußerst lässig das Magazin einer Beretta wechselt (Thomas Jahn: “Knockin’ on heaven’s Door”). Ebenso glaubt man fast zu hören, wie Hanna Schygulla das Lied “Lili Marleen” singt, so wie sie es in Rainer Werner Fassbinders Film tat.
Doch muss man nicht heimische Filme lieben, um das Buch zu genießen. Vielmehr erstaunt Raketes Kunst, den unbestimmbaren Ausdruck hervorzulocken, der jedes Gesicht besonders macht. Umso mehr, wenn er dafür Mathieu Carrière eine brennende Zeitung in die Hand drückt, die der Schauspieler scheinbar ungerührt liest.
Die Fotos sind bis Februar 2012 im Neuen Filmmuseum in Frankfurt zu sehen. Kinoliebhabern, die die Ausstellung nicht besuchen können, bleibt der begleitende Bildband.
Jim Rakete: Stand der Dinge. Schirmer/Mosel 2011, Hardcover, 208 Seiten, ISBN 978 3 8296 0533 5, Preis: 49,80 Euro
Der Lack ist ab
Nein, früher war nicht alles besser. Aber dennoch ist in diesem Fall sicher: Die “Celebrities”, die die Kölner in focus Galerie präsentiert, sind noch echte Stars. Sie entstammen einer Zeit, als keine abgehalfterten Big-Brother-Teilnehmer dieses Etikett beanspruchten. Zu den Porträtierten gehören Franz Beckenbauer, Clark Gable, Mick Jagger, Sophia Loren, Marilyn Monroe und viele andere, die von nicht minder berühmten Fotografen abgelichtet wurden: Elliott Erwitt, F.C. Gundlach, Horst P. Horst oder Peter Lindbergh.
Vom 19. November bis zum 10. Dezember 2011 kann man sich im Glanz der Vergangenheit sonnen, als Berühmtheiten sich sogar noch eine Persönlichkeit leisten durften, die bewundernswert war. Oder könnte man sich den neuesten Marilyn-Monroe-Klon – Lady Gaga – vorstellen, wie er “Happy Birthday, Mister President” ins Mikrofon haucht?
Hinter der Maske: Interessante Portraitfoto-Ausstellung
Noch bis 31. Juli 2011 findet im Museum „The Kennedys“ eine Fotoausstellung “BEHIND THE MASK” mit Werken von Martin Schoeller statt. Die Bilder zeigen internationale Prominente, darunter den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, das Hotelerbin Paris Hilton, den amerikanischen Künstler Jeff Koons oder die britische Schauspielerin Judy Dench.

(c) Martin Schoeller, HENRY KISSINGER, 2007
Dabei handelt es sich nach der Ankündigung des Museums nicht um typische Starporträts – vielmehr versuche der Fotograf, „die Menschen hinter den Masken“ zu zeigen. Wenig Make-Up, keine digitale Retusche, frontal und ungeschönt: Das sich selbst Persönlichkeiten wie Barack Obama oder Bill Clinton vor Schoellers Kamera wagen, spricht für die Fähigkeit des Fotografen, die Porträtierten in einer vertrauensvollen Atmosphäre vor den Fotoapparat zu bringen.

(c) Martin Schoeller, JUDY DENCH, 2007
Die im Rahmen der „Showroom Days Berlin“ gezeigten Aufnahmen sind täglich von 10 bis 18 Uhr im Museum zu sehen, Tickets gibt es zum regulären Preis von 7 Euro oder ermäßigt für 3,50 Euro. „The Kennedys“ findet sich am Pariser Platz 4a in Berlin-Mitte, die Kontaktinformationen finden sich auf der Website des Museums unter www.thekennedys.de






























