Gesichter eines Genies
Der Künstler Pablo Picasso war ein Augenmensch. Im Vorwort heißt es, der Schriftsteller Pierre Daix habe ihn sogar einen visuellen Vielfraß genannt. Das lässt sich leicht verstehen, wenn man Picassos Blicke sieht, die einen Betrachter zu verschlingen scheinen. Kann man ergründen, wer Picasso hinter dem Spiegel seiner Augen tatsächlich ist? Sicherlich ebenso wenig, wie bei jedem anderen Menschen. Nichtsdestotrotz versucht es der Bildband „Ichundichundich“. Ob letztlich der komplette Picasso erkennbar ist, bleibt zweitrangig. Denn nebenbei erfährt man viel über die künstlerische Entwicklung der Fotografie, die wiederum von dem schillernden Künstler reflektiert wird.
Wie in einem Kaleidoskop setzen sich die verschiedenen Facetten des berühmten Spaniers stückweise zusammen: Man sieht ihn altern, in Selbstporträts, zusammen mit Freunden oder in seinem Ateliers, das seine Beziehungen zu Objekten und Räumen zeigt. Davon gibt es reichlich Bildmaterial. Denn Picasso ließ sich gerne und willig ablichten, bot es ihm schließlich eine Gelegenheit, am eigene Mythos zu stricken. Erläuternd sind am Ende die Namen und Biografien der Fotografen aufgeführt.
Blättert man durch den Bildband, kann man sich an dem Wechselspiel erfreuen, das der Künstler mit der Kamera und diese wiederum mit ihm durchführte. Dafür muss man kein ausgesprochener Picasso-Liebhaber sein, sondern sich allgemein für moderne Kunst interessieren. Auch wer begreifen will, ob und wie es gelingt, einen Menschen zu porträtieren, erhält einige Inspirationen.
Ichundichundich ¨C Picasso im Fotoporträt. Hatje Cantz 2011, 272 Seiten, Hardcover, ISBN 978 3 7757 3198 0, Preis: 34 Euro
Als Picasso den Lichtpinsel schwang
Es ist immer eigenartig, wenn man den Vorreitern einer Technik zuschaut, wie sie damals ihre Bilder gestalteten. Die Zeitschrift „Life“ druckte jüngst nochmals zehn Aufnahmen, die Pablo Picasso zeigen, wie er den Effekt des Lichtpinsels vorführt. Falls es jemand vergessen haben sollte: Der Spanier hat unter anderem den Kubismus miterfunden und brillierte in zahlreichen anderen „-ismen“, eines seiner bekanntesten Gemälde trägt den Titel “Guernica”.
In den letzten Jahrzehnten hat man sicherlich trickreichere Effekte gesehen. Allerdings entgegnete der Künstler angeblich einem enttäuschten Kunden, dem er in wenigen Sekunden eine Zeichnung hinwarf: Diese aufs Papier zu bringen, habe zwar nur kurz gedauert, aber um so zeichnen zu können, benötige es ein ganzes Leben. So sind auch seine einfachen Linien das Ergebnis jahrzehntelangen Lernens. Abgesehen davon ist es etwas Besonderes, den Meister von Farben und Perspektiven so vergnügt mit Licht spielen zu sehen.
Die Fotos stammen aus dem Jahr 1949 und sind so von Gjon Mili.







































