Rollenspiele betrachten
Im Kinosaal warten magische Momente auf den Besucher. Der Fotograf Jim Rakete erinnert an manches Filmerlebnis, wenn er Schauspieler porträtiert, die man aus deutschsprachigen Filmen kennt.
Als erfahrener Fotograf zwängt Rakete die Akteure nicht einfach in ihre Filmrolle. Vielmehr knüpft er an die Geschichten an, um ihnen weitere Wendungen zu entlocken. Mit Vergnügen sieht man die wunderbare Sophie Rois (zuletzt etwa in Tom Twykers “Drei”), wie sie spitzbübisch in die Kamera feixt. Moritz Bleibtreu beweist, wie man äußerst lässig das Magazin einer Beretta wechselt (Thomas Jahn: “Knockin’ on heaven’s Door”). Ebenso glaubt man fast zu hören, wie Hanna Schygulla das Lied “Lili Marleen” singt, so wie sie es in Rainer Werner Fassbinders Film tat.
Doch muss man nicht heimische Filme lieben, um das Buch zu genießen. Vielmehr erstaunt Raketes Kunst, den unbestimmbaren Ausdruck hervorzulocken, der jedes Gesicht besonders macht. Umso mehr, wenn er dafür Mathieu Carrière eine brennende Zeitung in die Hand drückt, die der Schauspieler scheinbar ungerührt liest.
Die Fotos sind bis Februar 2012 im Neuen Filmmuseum in Frankfurt zu sehen. Kinoliebhabern, die die Ausstellung nicht besuchen können, bleibt der begleitende Bildband.
Jim Rakete: Stand der Dinge. Schirmer/Mosel 2011, Hardcover, 208 Seiten, ISBN 978 3 8296 0533 5, Preis: 49,80 Euro



























